Spanien

Spanien

Geografie

Spanien nimmt ca. 80 % der iberischen Halbinsel ein und liegt im Südwesten Europas. Spanien zählt zu den fünfzig grössten Ländern der Welt und ist das drittgrösste Land Europas bezüglich Fläche (505‘940 km2) und das fünftgrösste bezüglich Einwohnerzahl (46‘528‘966). Zum Staatsgebiet gehören auch die Balearen und die Kanarischen Inseln sowie die an der afrikanischen Küste gelegenen Städte Ceuta und Melilla. Fünf grosse Bergketten durchziehen das Land. In der Sierra Nevada (Andalusien) befindet sich mit dem Mulhacén (3‘482 m) der höchste Punkt auf Spaniens Festland. Der höchste Berg auf dem spanischen Staatsgebiet befindet sich aber mit 3‘718 m Höhe der Pico del Teide auf der Kanarischen Insel Teneriffa.

Das Klima variiert vom gemässigten ozeanischen Klima im Norden über das mediterrane Kontinentalklima im Zentrum bis zum mediterranen Klima im Osten und Süden. So gibt es im Norden und in den Bergregionen ein feuchtes Spanien, ferner das grüne Spanien mit ausgedehnten Wäldern und schließlich das trockene Spanien des Mittelmeers.

Spanien hat fünf grosse Flusssysteme. Vier davon weisen eine Ost-West-Orientierung auf: Duero, Tajo, Guadiana und Guadalquivir. Der Ebro hingegen verläuft von Nordwesten nach Südosten.


Geschichte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Spanien grösstenteils ein rückständiges Agrarland, geprägt von feudalen Eigentumsverhältnissen; die wenige vorhandene Industrie konzentrierte sich im Wesentlichen auf Katalonien und das Baskenland. 1931 wurde Spanien zur Republik. Die ererbten politischen und sozialen Konflikte belasteten die Zweite Republik von Beginn an; bereits 1932 kam es zum ersten Putschversuch rechter Militärs. Im Jahr 1934 ereigneten sich eine Reihe von linken und anarchistischen Aufständen, die zum Teil sehr blutig niedergeschlagen wurden. Die politische Instabilität, die vor allem von den extremen Vertretern linker und rechter Positionen und ihren paramilitärischen Verbänden, aber auch von Mitgliedern regulärer Sicherheitskräfte geschürt wurde, verschärfte sich nach dem Sieg der Volksfront aus linksliberalen, sozialistischen und kommunistischen Parteien bei den Parlamentswahlen vom 17. Februar 1936.

Im Juli 1936 putschten Teile des Militärs unter der Führung von Generalissimus Francisco Franco gegen die Regierung. Der Putsch war nur in einigen Landesteilen erfolgreich und scheiterte in den wichtigen politischen und industriellen Zentren des Landes (unter anderem in Madrid, Katalonien und im Baskenland). Es folgte der Spanische Bürgerkrieg, in dessen Verlauf die Putschisten wichtige Hilfe durch das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland erhielten, während die liberalen Demokratien Frankreich und Grossbritannien eine Nichteinmischungspolitik praktizierten und damit den Sieg Francos begünstigten.

1939 endete der Krieg. Die Epoche der franquistischen Diktatur begann mit einer mehrjährigen Phase gewaltsamer Säuberungen und führte das Land in eine langanhaltende politische und gesellschaftliche Lethargie. Wie in anderen europäischen Ländern kam es auch in Spanien nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem Franco das Land heraushalten konnte, zu einem langen wirtschaftlichen Nachkriegsboom. 1947 restaurierte Franco die Monarchie und ernannte Juan Carlos I. 1969 zum Staatsoberhaupt und damit zu seinem Nachfolger. Dieser leitete nach dem Tod des Diktators am 20. November 1975 einen Demokratisierungsprozess ein. Durch die Verabschiedung einer Verfassung wurde Spanien 1978 zu einer parlamentarischen Monarchie. In der Endphase der Diktatur Francos und besonders während der Transition kam es zu massiven Terroraktionen der ETA und anderer linker wie auch rechter Terrorgruppen. Im Jahr 1981 erfolgte noch einmal ein Putschversuch von rechten Militärs und Teilen der paramilitärischen Guardia Civil gegen die demokratische Regierung.

Die Transition endete 1982 mit der Regierungsübernahme durch die sozialdemokratische Partei. Gleichzeitig wurde im Kampf gegen die ETA eine staatsterroristische Gruppe (GAL) aufgestellt, die mit Folter und Mord den baskischen Separatismus bekämpfte; diese Epoche ist in Spanien als „schmutziger Krieg“ bekannt.

Felipe VI. ist seit dem 19. Juni 2014 König von Spanien.


Einwanderung / Spanier im Ausland

In den letzten Jahren hat eine stark ansteigende Immigration zu einem Bevölkerungsanstieg von über 5 Mio. Einwohnern geführt. Unter den EU-Mitgliedstaaten mit mehr als 3 Mio. Einwohnern ist Spaniens Ausländerquote mit 12,3 % die höchste. Die meisten Einwanderer stammen aus Rumänien, den Staaten des Maghreb oder Lateinamerika sowie aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland; für diese Länder ist Spanien als Altersruhesitz beliebt.

Während der Auswanderungswellen von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Spanischen Bürgerkrieg zog es die Spanier zumeist nach Süd- und Mittelamerika, insbesondere nach Argentinien, Venezuela, Mexiko, Uruguay und Kuba. Mit dem Plan de Estabilización (1959) fand eine bis 1972 andauernde Emigrationswelle in europäische Länder wie Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Belgien und das Vereinigte Königreich statt. In der Schweiz war und ist der Grossteil der spanischen Arbeiter im Bausektor und im Gastgewerbe beschäftigt. Auf die Eurokrise folgte eine erneute Emigrationswelle. Im Jahr 2016 steht unter der ausländischen Bevölkerung in der Schweiz die spanische Kolonie an fünfter Stelle, im Kanton Glarus an zehnter Stelle.


Schul-/Bildungssystem

Das derzeit in Spanien gültige Gesetz zur Ordnung des Bildungswesens stammt aus dem Jahr 1990. Es bildet die Grundlage für die Dualität von öffentlichen und privaten Bildungsträgern und regelt die Mitbestimmung an den Instituten. Politisch gesehen, verteilt sich die Zuständigkeit für das Bildungswesen auf die Zentralregierung – hier ist das Ministerium für Bildung, Kultur und Sport zuständig – und auf die jeweiligen Autonomen Regionen in Spanien. Die gesetzliche Schulpflicht in Spanien dauert 10 Jahre: 6 Jahre Primarschule und 4 Jahre Sekundarschule. Diese schliessen spanische Schüler meistens mit 16 Jahren ab. Trotz der kostenlosen staatlichen Schulen besuchen rund 30 % Prozent der Kinder eine Privatschule, meist eine Einrichtung der katholischen Kirche. Im spanischen Schulsystem ist eine generelle gymnasiale Ausbildung bis zum „Bachillerato“ (entspricht unserer Matur) vorgesehen. In Spanien wird der Unterricht auch während der Nachmittagsstunden erteilt. Anders als bei uns wird den Kindern innerhalb der Schule ein Mittagessen angeboten. Dies ist meist nicht allzu kostspielig. Zudem können finanzschwächere Eltern einen Zuschuss beantragen.

Der Berufsbildungszweig dient zur Ausbildung für alle typischen Lehrberufe und findet in speziellen Ausbildungszentren statt. Nach einer theoretischen Schulausbildung werden die praktischen Erfahrungen in der Regel im Anschluss in einem Praktikum von durchschnittlich 200 Stunden erworben. Für den Berufsausbildungszweig gibt es zwei unterschiedliche Stufen: die Basis der Berufsausbildung und die Höhere Berufsausbildung. In Spanien sind 30 % der Studienplätze für Berufsbildende Zweige reserviert.

Eine akademische Ausbildung kann in Spanien an den Universitäten, den technischen Hochschulen oder an den Fachhochschulen gemacht werden. An den Universitäten gibt es Zulassungsbeschränkungen, und zurzeit sind Aufnahmeprüfungen Pflicht. Die akademische Ausbildung, welche gesamthaft 10 Jahre dauert, erfolgt in drei Stufen. Nach der dritten Stufe und dem Verfassen einer Dissertation erreicht man das „doctorado“.


Gesundheitssystem

Die staatliche Sozialversicherung – welche Kranken-, Renten- und Sozialversicherung in einem ist – ist eine Pflichtversicherung, die für alle zwingend vorgeschrieben ist, ganz gleich ob selbständig oder angestellt arbeitend. Der Arbeitgeber liefert den geforderten Betrag für den Angestellten und den Arbeitgeberanteil vollständig an die Sozialversicherung ab. Damit stehen dem Angestellten alle staatlichen Gesundheitszentren und staatlichen Krankenhäuser offen. Er bekommt eine Sozialversicherungskarte, die im ganzen spanischen Staatsgebiet Gültigkeit besitzt. Sollte der Angestellte verheiratet sein und der Ehepartner arbeitet nicht, ist also nicht getrennt versichert, so werden der Partner und die Kinder beim Angestellten mitversichert.

Die Sozialversicherung gewährleistet eine Grundversorgung. Zurzeit herrscht ein Mangel an Ärzten und Pflegepersonal und die Wartelisten für Spezialisten und OP´s sind teilweise sehr lang. Wer es sich leisten kann, umgeht die Wartelisten und geht privat zum Arzt.


Religion

Die Spuren, die das Christentum im Land hinterlassen hat, sind unübersehbar. Insbesondere in den ländlichen Gebieten Spaniens hat die römisch-katholische Kirche noch heute auch im Alltag grosses Gewicht; in den Städten spielt sie jedoch keine besondere Rolle mehr, obwohl ca. 90 % der Spanier römisch-katholisch getauft sind. Die katholische Kirche wird vom spanischen Staat auf der Grundlage eines Vertrages mit dem Heiligen Stuhl finanziert. Daneben gibt es in Spanien Muslime, Juden, Protestanten und Hindus, die über ihre eigenen Gebetsstätten verfügen.


Traditionen

Spanien ist ein sehr offenes und vor allem sehr lebendiges Land, in dem Traditionen und Bräuche gepflegt und ausgiebig gelebt werden. Die meisten Feste und Traditionen Spaniens stehen in engem Zusammenhang mit der katholischen Kirche, die über Jahrhunderte einen grossen Einfluss auf die spanische Kultur ausübte. Und so wundert es kaum, dass ein absoluter Höhepunkt des Jahres stets die Osterfeierlichkeiten sind, in deren Rahmen riesige, prunkvolle Prozessionen abgehalten werden. Eine der wohl bekanntesten und bedeutendsten Prozessionen im Rahmen der Semana Santa (Karwoche) findet in Sevilla statt.

Generell feiern die Spanier gern, ausführlich und so häufig es geht. Egal, ob lokales Brauchtum zu Ehren des Schutzheiligen oder allgemeingültiger kirchlicher oder staatlicher Feiertag – es wird geschlemmt, getrunken, getanzt und gelacht, oftmals über Tage hinweg. Jede Region, jeder Ort haben eigene Traditionen und Bräuche, die hingebungsvoll zelebriert werden. Darüber hinaus gibt es aber auch einige Feste, die überregionale Bekanntheit erlangt haben. Dazu zählen zum Beispiel die berühmt-berüchtigte Tomatenschlacht „La Tomatina“ in Buñol und die „Fallas“ in Valencia. In vielen Provinzen und fast das ganze Jahr über finden symbolische Kämpfe zwischen Mauren und Christen statt. Diese „Moros y Cristianos“ genannten historischen Spiele erinnern an den Widerstand gegen die im Mittelalter aus Nordafrika eingedrungenen maurischen Stämme und an die fast acht Jahrhunderte dauernde maurische Herrschaft, deren kulturelle Spuren bis heute vor allem im südspanischen Andalusien zu sehen sind.

Einen wichtigen Platz nehmen in Spaniens Brauchtum der Stierkampf und die Stierhatz ein. Die Stierrennen der „San Fermines“ in der nordspanischen Stadt Pamplona in der zweiten Juliwoche sind sicher die weltweit bekannteste Fest-Veranstaltung Spaniens. Auch viele Dörfer krönen ihr Ortsfest mit einer Stierhatz oder einem Stierkampf. Nach Meinung seiner Anhänger ist er als eine Kunst anzusehen, in der Eleganz und Ästhetik eine wichtige Rolle spielen. In den Augen vieler Kritiker stellt er eine archaische und brutale Tradition dar, die es aufgrund der mit ihr verbundenen Tierquälerei nicht wert sei, in ihrer heutigen Form fortgeführt zu werden. Auf den Kanarischen Inseln und in Katalonien ist der Stierkampf mittlerweile verboten.